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Drittmittelprojekte

Laufende Drittmittelprojekte

Zur Persistenz der Politik überlanger Arbeitszeiten in deutschen Top-Beratungsgesellschaften – Ein Fall von Branchen-Pfadabhängigkeit?”

Top-Unter­nehmens­beratungs­gesellschaften wie McKinsey oder BCG geraten mit ihrem fest etablierten Regime überlanger Arbeitszeiten (oft 12 bis 16 Std./Tag) und konstanter Verfügbarkeit zunehmend in Schwierigkeiten: Um ihre Attraktivität als Arbeitgeber im Wettbewerb um exzellente Uni-Absolventen zu sichern, haben viele Unternehmen in den letzten Jahren zahlreiche Work-Life-Balance- und Arbeitsflexibilitätsinitiativen eingeleitet, um eine alternative Arbeitszeitgestaltung zu ermöglichen. Allerdings zeigen empirische Untersuchungen deutlich, dass solche Maßnahmen besonders häufig scheitern oder sogar paradoxerweise die etablierten Muster verstärken. Warum bleiben die zum Problem gewordenen Arbeitszeitmuster trotz zahlreicher Änderungsversuche ultrastabil? Diese Frage steht im Mittelpunkt dieses von der DFG geförderten Forschungsprojekts. Bisherige Forschungsansätze stellten primär auf individuelle (z.B. Arbeitssucht), gruppenbezogene (z.B. Gruppenzwang), oder organisationale (z.B. Unternehmenskultur) Faktoren ab. Allerdings ist dieses eigenartige Zeitmodell nicht nur in einzelnen Firmen, sondern in der gesamten Top-Beratungsbranche vorzufinden. Ziel des Projektes ist daher, branchenbezogene und firmenübergreifende Prozesse und Dynamiken als eine triftigere Erklärung für die Persistenz von langen Arbeitszeiten zu untersuchen. Dies soll anhand einer historischen Fallstudie von Top-Unternehmens­beratungen in Deutschland geschehen, welche die Entstehung sowie die graduelle Verfestigung des persistenten Arbeitszeitmusters innerhalb der Branche beleuchtet, die Identifikation stabilisierender Mechanismen ermöglicht, und somit Ansatzpunkte für deren Überwindung liefert. 

Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft
Projektbeginn: 01.04.2015
Laufzeit: drei Jahre
Leitung: Prof. Dr. Dr. h.c. Georg Schreyögg
Bearbeitung: Dr. Blagoy Blagoev
Erster Bericht: Why do extreme work hours persist? Temporal uncoupling as a new way of seeing