Springe direkt zu Inhalt

Organisationale Routinen

Problemstellung

Die organisationale Routine ist ein Zentralelement jeder Organisation. Hatte man lange Zeit vor allem die Konstruktion von Routinen im Sinne der Rationalisierung betrieblicher Abläufe studiert, so schiebt sich in jüngerer Zeit die empirische Untersuchung von Routineverhalten in den Vordergrund. Das zentrale Ergebnis dieser Forschung ist die überraschende Erkenntnis, dass Routinen nicht, wie ursprünglich angenommen, endogen stabile, weitgehend unreflektierte Verhaltensmuster sind. Stattdessen ist man zu der Einsicht gekommen, dass organisationale Routinen als endogen dynamische Handlungsmuster verstanden werden müssen, die von den beteiligten Akteuren bewusst hervorgebracht werden und dadurch potentiell einer kontinuierlichen Veränderung unterworfen sind.

Während diese Forschung viele wichtige Erkenntnisse über das faktische Routinenverhalten hervorgebracht hat, ist im Wesentlichen nur auf die Einzelroutine geschaut worden. Was bislang fehlt, ist der Blick auf den größeren Zusammenhang, auf die Folgen von Interdependenzen zwischen Routinen für das organisationale Verhalten. Jede Organisation besteht aus einem Netzwerk strukturell gekoppelter Routinen, die auf die Erfüllung arbeitsteiliger Aufgabenstellungen gerichtet sind.

Unsere Forschung setzt an dieser Lücke an und strebt eine angemessene Konzeptualisierung wie auch die empirische Erforschung der Folgen von Interdependenzen zwischen Routinen an. Erste Forschungsergebnisse zeigen, dass die Lösung der sich aus Arbeitsteilung zwischen Routinen ergebenden Integrationsprobleme regelmäßig zur Entstehung von sogenannten Routineclustern führt. Diese Routinecluster bestehen aus komplementären Routinen, welche auf die arbeitsteilige Erfüllung einer komplexen, organisationalen Aufgabenstellung gerichtet sind. Die zentrale Erkenntnis ist hier, dass diese Routinencluster eine eigene, stabilisierende Dynamik entwickeln, die der auf Variabilität hinauslaufenden Dynamik von einzelnen Routinen klare Grenzen setzt. Unter Nutzung der Komplementaritäten spielen sich diese Routinen immer besser aufeinander ein, so dass es schließlich zur Herausbildung einer Trajektorie und Pfadabhängigkeit kommen kann. Das macht sich vor allem dann bemerkbar, wenn von dem Cluster Innovationen zu bewältigen sind. Es ist die These des Projekts, dass nur solche Innovationen akzeptiert werden, die der Trajektorie entsprechen, dagegen aber vor allem radikale Innovationen (frame-breaking change) von dem Cluster zurückgewiesen werden.

Kernprojekte

  • Interdependenz und Pfadabhängigkeit
  • Temporalität von Routinen

Publikationen