Interessante Links

Links, die wir interessant finden

Die Ökonomie in der Kritik

Seit der Finanzkrise befindet sich die Ökonomie in der Kritik: Man habe ihren Ausbruch nicht vorhergesehen, beschäftige sich mit belanglosen Fragen und sei an den wirklichen Problemen der Welt gar nicht interessiert (im "underground"-Forum ejmr wurde hierfür der durchaus passende Begriff "mathurbation" geprägt). Was die wenigstens wissen: Eine Reihe führender Ökonomen setzt sich mit dieser Kritik intensiv auseinander. Hier zwei Beispiele:

  • Martin Hellwig, einer der international angesehensten deutschen Volkswirte, hat sich in einem längeren Essay mit der Kritik an der VWL beschäftigt. Sein Fazit: Es ist nicht zu viel Mathematik, die man der VWL vorwerfen kann. Es ist vielmehr die Tatsache, dass wichtige institutionelle Details vergessen und vernachlässigt werden, um elegante Ergebnisse zu erzielen - und dabei in Kauf zu nehmen, dass das Ergebnis der ökonomischen Analyse in das Gegenteil verkehrt wird.
  • Paul Pfleiderer, Professor an der renommierten Stanford University, diskutiert in einer Arbeit über ökonomische "Chamäleons" dasselbe Phänomen und kommt zu einem sehr vergleichbaren Ergebnis. Auch er verwirft nicht die mathematischen Methoden, sondern kritisiert, dass sich Arbeiten über relevante institutionelle Details schlichtweg hinwegsetzen und nennt in einigen Fällen sogar Ross und Reiter.  

Ursache dieser Auseinandersetzung war ein sehr einflussreicher Artikel Milton Friedmans über positive Ökonomie aus der Mitte des 20. Jahrhunderts (hier ein Link). Noch in den 50er Jahren war es üblich, rein verbal zu argumentieren. In einer Wissenschaft, die durchaus quantitative Aussagen treffen möchte ("die Arbeitslosigkeit steigt auf 7%", "das GD wächst um 0,5%" etc.) war ein solches Vorgehen aber nicht mehr sachgerecht. Friedman formulierte als erster Prinzipien, nach denen sich die Volkswirtschaftslehre wissenschaftlich organisieren sollte. Seine Ideen waren ein großer Fortschritt und trugen dazu bei, dass die Ökonomie als Wissenschaft Fuß fassen konnte. 

Tufte über PowerPoint, Cleveland über quantitative Darstellung

Edward Tufte ist ein emeritierter amerikanischer Professor, der inzwischen Weltruhm für seine Arbeiten zur Darstellung quantitativer Information erlangt hat. Tufte ist der Meinung, dass die BWL-Allzweckwaffe PowerPoint zur Präsentation von Informationen völlig ungeeignet ist, weil die Auflösung des Programmes und die damit verbundene Informationendichte zu gering sind. Er hat seine sehr überzeugenden Argumente in einem Essay zusammengefasst.

Während sich Tufte zu allen Facetten der Darstellung von Informationen äußert, konzentriert sich William Cleveland in seinem Buch Elements of Graphing Data ausschließlich auf die Frage, wie man Zahlenkolonnen grafisch abbilden kann. Manchmal widersprechen sich beide Autoren, lesenswert sind sie beide in jedem Fall.

Das Wunderkind Terence Tao

Sie kennen das sicherlich: Während Sie immer noch mit einer Klausuraufgabe kämpfen und zum dritten Mal versuchen, eine Lösung zu berechnen, hat Ihr Nachbar schon längst die Klausur beendet und macht sich auf den Weg nach Hause. Er ist eben ein Wunderkind, dem das alles in den Schoß fällt - die Welt ist ungerecht.

Terence Tao ist wirklich ein Wunderkind. Im Alter von drei Jahren brachte er sich selbst Lesen bei, mit sieben löste er Mathematikaufgaben, die andere erst in einem Masterstudium bewältigen werden und selbstredend erhielt er mit Anfang Dreißig die Fields-Medaille (den inoffiziellen "Nobelpreis der Mathematik").

Terence Tao ist deshalb bemerkenswert, weil er sich seiner besonderen Begabung sehr bewusst ist. Er schreibt einen Blog, der für ein mathematikunkundiges Publikum zu größeren Teilen vermutlich unlesbar ist. Die Artikel, in denen er sich aber mit alltäglichen Themen wie Wunderkindern oder Intuition auseinandersetzt, sind sehr empfehlenswert:

  • So beschreibt Tao sehr deutlich, dass Begabung allein nicht ausreicht. Das Ergebnis des späteren Erfolges ist vielmehr harte Arbeit. Seit einigen Jahren gibt es sogar eine wissenschaftliche Erforschung von Wunderkindern, die überraschende Ergebnisse zeigt - so erzielen diese im hohen Alter keinesfalls mehr Leistungen als normal Sterbliche; sie sind auf Grund ihres schnellen Aufstieges sogar stärker gefährdet, später einen sozialen Absturz zu erleiden. (Bedauern Sie besser Ihren Nachbarn, wenn er wieder nach der Hälfte der Zeit die Klausur abgibt...)
  • Viele meiner Kollegen legen viel Wert auf die richtige Vermittlung von ökonomischer Intuition. Der eine oder andere dürfte überrascht sein, was Tao diesbezüglich zu sagen hat: Bevor man eine vernünftige Intuition entwickeln kann, muss man eine verlässliche Grundlage seiner Überlegungen besitzen und das geht nur, indem man sich mit Definitionen, Theoremen und vor allem Beweisen auseinander setzt. Anders gesagt: Wer nie gerechnet hat, kann sich auf seine Intuition nicht verlassen. Was für die Mathematik gilt, dürfte auch für die Betriebswirtschaftslehre von Bedeutung sein.
  • Während wir in Deutschland noch von der Exzellenzinitiative besessen sind, ist es sehr erfrischend, Taos Kommentare zu "prestigeträchtigen" Institutionen zu lesen. Anstatt dem generellen Attribut "exzellent" zu folgen, sollte man sich eher auf die spezifischen Stärken einer Universität oder besser noch eines Fachbereiches konzentrieren und so seine Auswahl treffen: Welche Schwerpunkte gibt es dort? Existiert ein Austauschprogramm mit dem Ausland? Sind die mich interessierenden Fächer dort stärker vertreten? Gewährt der Studiengang eine große Wahlfreiheit oder ist das Lehrprogramm eher verschulter?
Discounted Cash Flow
Brownsche Bewegung
Blog
Business Research