Getting to the COR of Workarounds: A Resource Perspective on Deviating Usage of Critical Care Information Systems
News vom 17.11.2025
Wir freuen uns bekannt zu geben, dass unser Artikel „Getting to the COR of Workarounds: A Resource Perspective on Deviating Usage of Critical Care Information Systems“ nun offiziell im renommierten Information Systems Journal (Wiley) veröffentlicht wurde.
Workarounds in Hochrisikoumgebungen wie Intensivstationen (ICUs) beeinträchtigen die Sicherheit und die Einhaltung regulatorischer Vorgaben. Während frühere Forschung diese Abweichungen auf Fehlanpassungen von Technologien zurückführt und selbstverstärkende Dynamiken beschreibt, sind die zugrunde liegenden Mechanismen eskalierender Workaround-Spiralen bislang unzureichend untersucht. Auf Basis ethnografischer Beobachtungen und Interviews zur Nutzung von Critical Care Information Systems (CCIS) entwickeln wir eine Perspektive mentaler Ressourcen, die die kognitive Belastung von Kliniker:innen als zentralen Treiber eskalierender Workarounds positioniert. Gestützt auf die Conservation-of-Resources-(COR-)Theorie und die Literatur zu organisationaler Kontrolle zeigen wir, dass Kliniker:innen Workarounds (d. h. abweichende CCIS-Nutzung) einsetzen, um mit mentaler Überlastung umzugehen. Workarounds umgehen jedoch nicht nur Hindernisse im Arbeitsablauf, sondern auch organisationale Kontrollmechanismen, die darauf abzielen, individuelle und kollektive Aufmerksamkeit zu unterstützen. Wenn diese „konstruktiven IS-Aufmerksamkeitskontrollen“ zusammenbrechen, nimmt die mentale Belastung der Kliniker:innen zu und kooperative Arbeitsabläufe verschlechtern sich, was zusätzliche Workarounds in einem rekursiven Zyklus hervorbringt, der individuelles Coping mit kollektiver Ressourcenverknappung verknüpft.
Unsere Studie leistet einen theoretischen Beitrag, indem sie (1) den Abbau mentaler Ressourcen als einen Mechanismus identifiziert, der Workarounds verschärft, (2) diesen Mechanismus über beeinträchtigtes Aufmerksamkeitsmanagement präzisiert und (3) ein Prozessmodell entwickelt, das Verhaltenspsychologie mit Kontrolltheorie integriert, um abzubilden, wie individuelle Ressourcendefizite und Bewältigungsstrategien auf organisationale Risikoniveaus skalieren. Für die Praxis zeigen wir, dass die Behebung isolierter Technologie-Fehlanpassungen nicht ausreicht, um Workarounds in hochakuten Settings zu mindern. Stattdessen sind systemische Interventionen erforderlich, etwa eine Neujustierung der Arbeitsbelastung, die Stärkung robuster Aufmerksamkeitskontrollen und die Gestaltung von CCIS, die das (Wieder-)Fokussieren individueller und kollektiver Aufmerksamkeit unterstützen. Diese Erkenntnisse richten Forschung und Management auf kognitiv nachhaltige Gesundheitstechnologien aus.
Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Papers.



