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Forschung

Der übergeordnete Forschungsschwerpunkt des Lehrstuhls Schöb ist es, mit Hilfe theoretischer und ökonometrischer volkswirtschaftlicher Grundlagenforschung konkrete, wissenschaftlich fundierte Politikempfehlungen abzuleiten. Dabei liegt ein Fokus auf den durch Arbeitslosigkeit verursachten Wohlbefindenseinbußen, die nicht durch den Rückgang von Einkommen erklärbar sind. Sie lassen sich durch den Verlust von Identitätsnutzen erklären, der aus geringem sozialen Status und Selbstwert resultiert.[1],[2] In diesem Zusammenhang werden unter anderem die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit auf verschiedene Wohlbefindensmaße verglichen und in einem einheitlichen Analyserahmen betrachtet. Dabei zeigt sich u.a., dass sich Arbeitslose im Hinblick auf ihr affektives Wohlbefinden gut an die Arbeitslosigkeit anpassen (Adaptation), während das kognitive Wohlbefinden, z.B. aufgrund von Identitätsnutzenverlusten, bei fortdauernder Arbeitslosigkeit auf niedrigem Niveau verharrt.[3] Die integrierte Analyse von affektivem und kognitivem Wohlbefinden wird auch dazu verwendet, die Auswirkungen arbeitsmarktpolitischer Instrumente wie Workfare (Bürgerarbeit) oder Lohnsubventionen auf die individuelle Wohlfahrt zu untersuchen[4] und geschlechtsspezifische Unterschiede bei Identitätsnutzenverlusten zu untersuchen.[5] An diesen Forschungsschwerpunkt knüpfen weitere Projekte an, die sich mit den Auswirkungen der Arbeitslosigkeit auf Einstellungen und Persönlichkeitsmerkmale und mit der Rolle von Arbeitslosigkeit und Beschäftigungsunsicherheit für die Wohlbefindenseffekte flexibler Beschäftigungsformen wie befristeter Beschäftigungund Selbstständigkeit[6] beschäftigen. Die wirtschaftspolitische Frage nach den Kosten und Nutzen flexibler Arbeitsmärkte motiviert ferner die Analyse der Zufriedenheitseffekte von freiwilligen und unfreiwilligen Arbeitsplatzwechseln.[7],[8]

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Entwicklung und Bewertung arbeitsmarkt- und sozialpolitischer Instrumente. Nachdem über viele Jahre Lohnsubventionsmodelle zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit untersucht worden sind[9],[10], steht nun die Bewertung von Mindestlöhnen im Vordergrund.[11] Ferner wird im Hinblick auf eine Europäisierung der Sozialpolitik die optimale Ausgestaltung einer europäischen Arbeitslosenversicherung erforscht.[12]

Schließlich werden grundsätzliche Fragen der Finanzwissenschaft untersucht, meist mit starkem Bezug zur Umweltökonomik. Es wird gezeigt, inwieweit eine optimale Finanzpolitik Adaptation sowie die Unter- oder Überschätzung der eigenen Adaptationsfähigkeit bei der optimalen Bereitstellung öffentlicher Güter berücksichtigen sollte. Dabei werden sowohl positive als auch normative Aspekte beleuchtet.[13],[14],[15] Hinsichtlich des Klimawandels wird die optimale Klimapolitik im Kontext von potentiellen Produktionsverlagerungen (Carbon Leakage) analysiert. Ferner werden im Bereich der Ressourcenökonomik die Auswirkungen von Klimapolitik auf die Angebotsentscheidung von Ressourcenbesitzern unter Einbeziehung von Lerneffekten im erneuerbaren Energiesektor untersucht.[16]