Decision Analytics and Decentralized Ledger Technologies for Determination and Preservation of Spare Part Value in Aircraft Maintenance

Ansprechpartner/in:
Clemens Wickboldt

Das Forschungsprojekt konzentriert sich auf die Evaluation von Methoden der Data Analytics und Decentralized Ledger Technologies (DLT) / Blockchain, um Informationsasymmetrien und Ineffizienzen in Geschäftsprozessen bei der Ersatzteilverwendung zu adressieren. Die Evaluation erfolgt aus Sicht eines Maintenance Repair and Overhaul (MRO) Unternehmens in der Luftfahrtindustrie. Die Branche ist durch intransparente Transaktionen bei der Handhabung, Reparatur und dem Handel mit Ersatzteilen gekennzeichnet. Aufgrund des gegenseitigen Misstrauens in der Branche fehlen einheitliche Plattformen für den Informationsaustausch.

Flugzeugersatzteile dienen dem schnellen Austausch von defekten Teilen und vermeiden im Idealfall teure Aircraft-on-Ground-Situationen. Das Verständnis für einen Fair Market Value der überschüssigen Teile ist von eminenter Bedeutung für den Wettbewerbsvorteil eines Unternehmens. Entscheidungen wie Kauf, Verkauf, Einlagerung oder Verschrottung werden auf Basis des ermittelten Werts getroffen. Domänenexperten geben an, dass der Wert eines Teils maßgeblich von seinen spezifischen Charakteristika, seinem Zustand und seiner Werkstattereignisshistorie abhängt. Ist der Nachweis dieser Historie lückenhaft, so kann es zum vollständigen Wertverlust des Teils kommen, da etwa sicherheitsrelevante Teile ohne lückenlose Nachweise nicht weiter verwendet werden dürfen.

Für Unternehmen, die in der Lage sein wollen im starken Wettbewerb des Maintenance Repair and Overhaul Markts zu bestehen ist der Einsatz digitaler Technologien zur datenbasierten Entscheidungsfindung mittlerweile unumgänglich. Der Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen besteht nun darin die zur Verfügung stehenden Daten effizient zu nutzen, und Entscheidungen weniger nach Erfahrung und Instinkt, sondern datenbasiert zu treffen. Andererseits existieren auch in dieser Branche immer noch Prozesse, die eine Dokumentation in Papierform erfordern. Ein solcher Prozess ist die Dokumentation von Werkstattereignissen für sicherheitsrelevante Ersatzteile durch Zertifikate. Ein geringes Vertrauen untereinander und die Heterogenität regionaler Anforderungen in einem globalen Markt verbieten die Etablierung einer zentralen Instanz zur Verwaltung der Daten.

Die Ermittlung eines Fair Market Value erfolgte lange Zeit manuell, unter großen personellen Aufwand und geringer Zuverlässigkeit. Die Konzeption eines Automated Sparepart Valuation Konzepts bildet eine Grundlage für Inhaber von Daten, um die Menge an Daten verlässlich zu nutzen. ähnliche Umsetzungen in der Industrie und mit integrierter automatisierter Bewertung belegen die Einsatzfähigkeit. Das Problem der lückenhaften Zertifikate von Werkstattereignissen wird durch die Konzeptionierung, Implementierung und Evaluation eines Blockchain-based Certification System adressiert und gelöst. Die Eigenschaften einer Blockchain, insbesondere die Dezentralität und Persistenz, erfüllen die Anforderungen, die in einem Umfeld mit mangelndem Vertrauen und aufgrund der Gefahr eines Single Point of Failure, bisher nicht zu erfüllen waren.

Aus diesem Kontext lassen sich zwei Kernprobleme ableiten:

  1. Eine Bewertung von Ersatzteilen (sog. Fair Market Value) ist aufgrund unvollständiger Informationen nur mit großem Aufwand möglich. Eine unzuverlässige Bewertung führt zu fehlerhaften Teileverwendungsentscheidungen und übermäßiger Verschrottung.
  2. Eine lückenlose Dokumentation von Werkstattereignissen ist bei sicherheitsrelevanten Teilen erforderlich, damit diese verwendet werden dürfen. Aufgrund des Misstrauens in der Branche erfolgt die Dokumentation bis heute in Papierform. Der analoge Prozess führt zu Informationsverlust und damit wiederum zur im Grunde vermeidbaren Verschrottung wertvoller Ersatzteile.

Diese Problemstellungen werden in den Publikationen adressiert.

Ansprechpartner: Natalia Kliewer, Clemens Wickboldt

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