Forschungsprogramm

Unternehmungsnetzwerke 

Unternehmungsnetzwerken, die mal als strategische Allianz oder Partnerschaft, mal als Entwicklungskooperation mit Erstanwendern ("Lead-Usern"), als Subunternehmerschaft, manchmal sogar als Franchising, als fraktale Fabrik oder als virtuelle Unternehmung daherkommen, wird zum Teil attestiert, die Organisationsform für das 21. Jahrhundert zu sein. Die Bildung von Unternehmungsnetzwerken stellt dabei keine neue Managementmode dar, die früheren und mittlerweile zum Teil schon wieder als überholt geltenden Konzepten wie "Lean Production", "Total Quality Management", "Business Process Reengineering" oder "Knowledge Management" nachfolgt. Vielmehr handelt es sich bei ihr um die Realisierung einer zwar nicht grundsätzlich neuen, wohl aber in reflexiver Ausgestaltung neuartigen unternehmungsübergreifenden Organisationsform ökonomischer Aktivitäten. Die Chancen und Risiken, mehr noch aber die Möglichkeiten und Grenzen des reflektiven Managements von Unternehmungsnetzwerken sind noch weitgehend ungeklärt. Zur Klärung insbesondere dieser Fragen will die interdisziplinäre Forschungsgruppe "Unternehmungsnetzwerke", die am Management-Department der Freien Universität sowie am Institut für Soziologie der Technischen Universität Berlin angesiedelt ist, einen Beitrag leisten.

Management- und Organisationstheorien 

Die Forschungsarbeit auf diesem Gebiet zielt auf die Weiterentwicklung der von Wolfgang H. Staehle begründeten verhaltenswissenschaftlichen Managementlehre. Die Forschungsergebnisse sind in der jeweils aktuellen Auflage des seit dem Tode von Wolfgang Staehle von Peter Conrad und Jörg Sydow weitergeführten "Management - eine verhaltenswissenschaftliche Perspektive" (Staehle 1999) sowie in dem von Peter Conrad, Jochen Koch und Jörg Sydow herausgegebenen Periodikum "Managementforschung" publiziert.

Über eine verhaltenswissenschaftliche Perspektive hinaus zielt der Versuch, die Managementlehre auf ein stärker organisationstheoretisches Fundament zu stellen. Hier ordnen sich die Bemühungen um eine Fruchtbarmachung der von Anthony Giddens entwickelten Strukturationstheorie ein, die nicht nur für die wissenschaftliche Analyse von Unternehmungsnetzwerken genutzt wird, sondern auch als Organisationstheorie, die mit dem Konzept der Dualität von Struktur den die meisten Theorien kennzeichnenden Dualismus von Handlung und Struktur überwindet. Ein Überblick über Strukturationstheorie als Organisationstheorie findet sich in dem Sammelband "Theorien der Organisation" (Ortmann/Sydow/Türk, 2000), der mittlerweile in 2. Auflage erschienen ist. Eine strukturationstheoretische Fundierung wichtiger Fragestellungen des strategischen Managements findet sich in dem Band "Strategie und Strukturation" (Ortmann/Sydow 2001). Aktuell ist ein unter der Herausgeberschaft von Jörg Sydow und Carsten Wirth Lehrbuch zum Thema "Organisation und Strukturation" entstanden,

Industrielle Beziehungen 

Das System industrieller Beziehungen beinhaltet Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Staat, sowie die Beziehungen zwischen diesen Akteursgruppen. Für gewöhnlich wird dieses System auf Branchen-, Unternehmens- und Betriebsebene sowie - im Rahmen vergleichender Industrial-Relations-Forschung - auf nationaler Ebene untersucht. Eigene Forschungsbeiträge fokussieren hingegen eine zwischen Unternehmen und Branche vermittelnde Ebene: das Unternehmungsnetzwerk. Unter diesem Fokus erfolgte die Mitarbeit im Rahmen des von der Bertelsmann Stiftung und der Hans-Böckler-Stiftung finanzierten und von Wolfgang Streeck, Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln, geleiteten Projekts "Mitbestimmung und neue Unternehmenskulturen". Das Ergebnis liegt mit der Expertise "Mitbestimmung und neue Unternehmungsnetzwerke" (Sydow 1997) gedruckt vor und ist in leicht gekürzter Form in dem von Bernd Frick, Norbert Kluge und Wolfgang Streele herausgegebenen Band "Die wirtschaftlichen Folgen der Mitbestimmung" (Campus Verlag, Frankfurt und New York 1999) veröffentlicht worden. Eine frühe Arbeit zu dieser Thematik ist als HBS-Manuskript Nr. 30 unter dem Titel "Unternehmungsnetzwerke - Begriff, Erscheinungsform und Implikationen für die Mitbestimmung" (Sydow 1991) erschienen und direkt zu beziehen über:

Hans-Böckler-Stiftung
Bertha-von-Suttner-Platz 3
40227 Düsseldorf
Tel.: 0211-7778-0
Fax: 0211-7778-120

Eine Fortsetzung findet die Erforschung industrieller Beziehungen auf der Netzwerkebene in einem aktuellen, von der Hans-Böckler-Stiftung finanzierten Projekt.

Pfadforschung 

Pfadabhängigkeiten werden seit Jahren bei der Entwicklung und Verbreitung von Technologien identifiziert. Neu ist hingegen, Pfadabhängigkeiten auch auf der Ebene von Organisationen, interorganisationalen Netzwerken und organisationalen Feldern (Branchen, Regionen) zu untersuchen. Die Forschungsaktivitäten erstrecken sich zum einen im Rahmen eines früher von der VolkswagenStiftung geförderten und in der interdisziplinären Forschungsgruppe "Unternehmungsnetzwerke" zusammen mit Prof. Dr. Arnold Windeler (Institut für Soziologie der TU Berlin) bearbeiteten Projekts auf Fragen technologischer Pfadabhängigkeiten bzw. ihrer bewussten Schaffung in und durch interorganisationale Netzwerke. Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf Fragen organisatorischer Pfadabhängigkeiten. Diese werden auf Organisations-, Netzwerk- und Feldebene vor allem im Rahmen des von der DFG geförderten und am FB Wirtschaftswissenschaft der FU Berlin angesiedelten Graduiertenkollegs "Pfade organisatorischer Prozesse" untersucht.

Organisierte Kreativität

Der Begriff „organisierte Kreativität“ erscheint widersprüchlich: Kreative Prozesse sind per se unsicher und lassen sich nur eingeschränkt steuern. Trotzdem spielen sie sich unter Netzwerken von Akteuren in unterschiedlichenr räumlich-zeitlichen Kontexten ab, die einen gewissen Grad an Organisation aufweisen. Die Mitglieder der Forschergruppe „Organisierte Kreativität“ wollen die Strukturen und Praktiken untersuchen, in und mit denen Unsicherheit im kreativen Prozess gefördert, kanalisiert oder verhindert wird. Die aus der Betriebswirtschaftslehre, der Wirtschaftsgeographie und der Soziologie stammenden Mitglieder erforschen diese Dynamiken am Beispiel der Musik- und der Pharmaindustrie.

Eine Forschungsgruppe aus Betriebswirtschaftlern, Wirtschaftsgeographen und Soziologen geht diesen Fragen in dem Projekt „Organized Creativity“ nach. In dem am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der FU Berlin angesiedelten Projekt arbeiten 15 Forscherinnen und Forscher verschiedener Universitäten in Deutschland und Österreich zusammen.Ziel der Forschergruppe ist es, am Beispiel der Musikindustrie und der Pharmaforschung die Organisation kreativer Prozesse mit Blick auf den Umgang mit Unsicherheiten zu studieren. Die praxistheoretisch informierte Forschung erfolgt in vier koordinierten Projekten. Der Fokus liegt in allen Projekten auf kreativen Prozessen in Organisationen und interorganisationalen Netzwerken.

Wichtige Links

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Organized Creativity
Egos
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