Prof. Dr. Fritz Neumark

 (* 20.07.1900, † 09.03.1991) Ehrenpromotion verliehen am 23.06.1961

"für seine hervorragenden Verdienste um die finanzwissenschaftliche Forschung, besonders für seine grundlegenden Arbeiten über den öffentlichen Haushalt und die moderne Einkommensbesteuerung, für die Förderung der modernen Finanzpolitik, für seine Leistungen in deutschen und internationalen wissenschaftlichen Gesellschaften, mit denen er zugleich der internationalen Kommunikation der Gelehrten diente, für seine Tätigkeit in wissenschaftlichen Beiräten und nicht zuletzt für seine aufrichtige Haltung als Hochschullehrer und Forscher."

 

Fritz Neumark wurde am 20. Juli 1900 in Hannover geboren. Der Sohn eines Kaufmanns wurde nach dem Abitur noch 1918 zum Kriegsdienst eingezogen. Nach der Entlassung begann er 1919 ein Studium der Staats- und Rechtswissenschaften - vorübergehend in Hamburg und München, danach in Jena. Dort wurde er 1921 mit der Dissertation über Begriff und Wesen der Inflation promoviert. Vom Reichsfinanzministerium, wo er 1923-25 als Referent tätig war, zog ihn sein späterer Lehrer Wilhelm Gerloff als Assistenten an die Univ. Frankfurt/Main. Nach der Habilitation 1927 wurde er 1931 zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor ernannt. Diese Position und die Lehrbefugnis wurden ihm im März 1933 aufgrund des sog. Arierparagraphen genommen. Im selben Jahr emigrierte Neumark in die Türkei; er wurde Professor an der Universität Istanbul, wo er sich hohes Ansehen erwarb. Nach fast zwanzigjähriger Abwesenheit kehrte Neumark 1951 an die Universität Frankfurt/Main zurück. Über die Jahre der Emigration hat er in seinem Buch Zuflucht am Bosporus (1980) berichtet. Fritz Neumark beeindruckte durch Intellekt, Belesenheit, Bildung, Sprache und Sprachkenntnisse. Seine wissenschaftliche Bedeutung errang er hauptsächlich durch die Modernisierung der Finanzwissenschaft als Instrument wirtschaftspolitischer Globalsteuerung (Fiscal Policy, Keynesianismus), wovon die ihm gewidmete Festschrift Theorie und Praxis des finanzpolitischen Interventionismus (1970) zeugt. Ebenso gehörten Haushalts- und Besteuerungsprinzipien und das Gebiet der Einkommensbesteuerung zu Neumarks Domäne. Die Anerkennung Neumarks als wissenschaftlicher Autorität fand in vielen Ernennungen und Ehrungen ihren Ausdruck. Er war Mitglied des Wissenschaftsrats, zweimal Rektor seiner Universität, Vorsitzender der Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Präsident der International Economic Association sowie des Institut International de Finances Publiques, Berater und Gutachter in Fragen der öffentlichen Finanzen für die Bundesrepublik Deutschland und für die EWG, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium für Finanzen, Vorsitzender des Sozialbeirats, Ehrendoktor der Universitäten Berlin (Freie Universität), Göttingen, Istanbul und Paris (Sorbonne). Neumark verstarb im Alter von 90 Jahren am 9. März 1991 in Baden-Baden.

 

Zu den wichtigsten Veröffentlichungen Neumarks gehören:

• Grundsätze gerechter und ökonomisch rationaler Steuerpolitik (1970)

• Handbuch der Finanzwissenschaft (4 Bde., 2. Auflage (1952-65))

• Theorie und Praxis der modernen Einkommensbesteuerung (1947)