Forschung

Theoretisch fundiert, praktisch angewandt

Die Forschungsprojekte am Department Wirtschaftsinformatik sind theoretisch und methodisch fundiert und gleichzeitig konsequent anwendungsorientiert. Dabei sind die Projekte zumeist drittmittelgefördert und werden mit unterschiedlichsten Praxispartnern von Unternehmen über Verbänden bis zu Ministerien realisiert.

Über die Links in der Grafik erhalten Sie einen Überblick über unsere aktuellen und im Aufbau befindlichen Forschungsschwerpunkte und Anwendungsbereiche.

Forschung

Forschungsschwerpunkte  

Die Forschungsschwerpunkte am Department Wirtschaftsinformatik sind den vier Feldern „Technologiegetriebene Veränderungsprozesse“, „Modellierung, Optimierung und Management von Prozessen“, „Modelle und Methoden des angewandten Operation Researchs“ sowie „Intelligente Datenanalyse“ zuzuordnen und bilden den maßgeblichen Kern des Forschungsschwerpunkts Digitalization am Fachbereich Wirtschaftswissenschaft. Interdisziplinäre Fragestellungen werden aus Wirtschaftsinformatikperspektive analysiert und aktuelle Herausforderungen aus der Praxis gezielt in die Forschung integriert:

Technologiegetriebene Veränderungsprozesse / Ökonomische Implikationen

Das Department Wirtschaftsinformatik begleitet technologiegetriebene Veränderungen aus wissenschaftlicher Perspektive. Auf der Grundlage adäquater Theorien werden sowohl empirische Forschungsdesigns realisiert, als auch anwendungsorientierte Fragestellungen bearbeitet. Einen aktuellen Schwerpunkt der Analyse von Veränderungsprozessen bildet das Gesundheitswesen. Ein Beispiel ist der Transformationsprozess der Krankenversorgung hin zu einer technikassistierten Betreuung zu Hause im Rahmen intersektoraler Versorgungskonzepte. Weitere Schwerpunkte bilden Untersuchungen in den Branchen Bildung, Medien, Musik, Transport und Logistik sowie in ausgewählten Service- und Investitionsgüterindustrien. Die anwendungsorientierte Forschung trägt so dazu bei, Transformationsprozesse zu reflektieren und besser in ihren Ursachen und Verläufen zu verstehen. Unternehmerisch handelnde Akteure erfahren hierdurch Unterstützung bei der Bewältigung aktueller Herausforderungen.

Service Engineering / Prozessmanagement

Die systematische und methodengestützte Identifikation, Modellierung, Analyse und Optimierung von Aktivitätsfolgen bildet als Geschäftsprozessmanagement einen Kernbereich der Wirtschaftsinformatik. Sie hilft in nahezu allen Branchen und Anwendungsbereichen den Einsatz von Ressourcen ökonomisch zu steuern sowie Leistungsangebote effizient und effektiv zu gestalten. Neben der Reflexion neuer Handlungs- und Gestaltungsoptionen durch aktuelle Informations- und Kommunikationstechnologien liegen Schwerpunkte u.a. in den folgenden Bereichen:

Service Engineering: In einer zunehmend digitalisierten und vernetzten Gesellschaft erhalten gerade technikunterstützte Dienstleistungen und Dienstleistungssysteme eine zentrale Bedeutung. Im Rahmen des „Service Engineering“ werden Leistungsangebote systematisch entwickelt und dabei insbesondere die Möglichkeiten eines kundenorientieren Prozessmanagements genutzt. Verstärkt durch die die zunehmende Digitalisierung erfolgt die Dienstleistungserbringung dabei verstärkt als Integration verschiedener Akteure in Ökosystemen. Ziel der regelmäßig gestaltungsorientierten Forschung in diesem Bereich sind neben Effizienzwirkungen alternativer Ausgestaltungsoptionen insbesondere auch Effektivitätswirkungen sowie die konkreten Veränderungen zum Beispiel von Kundenzufriedenheit, Kundenbindung sowie Preisakzeptanz und Zahlungsbereitschaft.

Kundenorientiertes Geschäftsprozessmanagement: Die Nachfragerperspektive findet im traditionellen Geschäftsprozessmanagement nur unzureichende Berücksichtigung. Deshalb wird der Fokus in diesem Bereich von anbieterseitigen Prozessen im Rahmen der Potenzialgestaltung und Leistungserstellung auf vor- und nachgelagerte Nachfrage- und Nutzungsprozesse erweitert. Es werden neue konzeptionelle Grundlagen, aber auch konkrete Methoden eines kundenorientierten Geschäftsprozessmanagements entwickelt.

Angewandtes Operations Research

Operations Research bzw. Management Science bezeichnet die Entwicklung und den Einsatz quantitativer Modelle und Methoden zur Unterstützung komplexer Entscheidungssituationen. Dabei kommen Ansätze und Theorien aus der angewandten Mathematik, der Wirtschaftswissenschaft und der Informatik zum Einsatz. In den anwendungsorientierten Themen am Department Wirtschaftsinformatik liegt der Fokus auf der Unterstützung quantitativer Entscheidungen in der betriebswirtschaftlichen Praxis. Aus Sicht der Wirtschaftsinformatik werden neben quantitativen Modellen und Methoden auch die Aspekte der Realisierung von IT-Systemen beleuchtet. Methodisch verknüpfen die Systeme aktuelle Ansätze aus Optimierung, Simulation, Datamining und Prognoseverfahren. Insbesondere werden Konzepte und Methoden des Operation Research für Planung und Steuerung von Transportdienstleistungen entwickelt. Sie kommen bspw. bei der Optimierung des Fahrzeugeinsatzes und der Dienste für Fahrer oder Piloten zum Einsatz sowie beim Revenue Management für Fluggesellschaften. Ein Beispiel aus dem universitären und schulischen Bereich ist die Entwicklung von Softwarekomponenten, die eine überschneidungsfreie Lehrveranstaltungsplanung durch den Einsatz mathematischer Optimierung ermöglichen.

Intelligente Datenanalyse

Die intelligente Datenanalyse beschäftigt sich mit der Auswertung großer, komplexer Datensätze zur Generierung neuer Erkenntnisse über Eigenheiten und Erfolg betrieblicher Prozesse. Zu diesem Zweck werden Methoden der Statistik, der Business Intelligence und des Datamining eingesetzt. Beispiele für den Einsatz der intelligenten Datenanalyse im Department Wirtschaftsinformatik sind Untersuchungen über die Auswertung von historischen Daten aus dem Revenue Management von Fluggesellschaften. Durch die Kombination von Informationen über die Angebotssteuerung, die beobachtete Nachfrage, Wettbewerberangebote und konjunkturelle Indikatoren können Rückschlüsse über das Marktverhalten zur Unterstützung der zukünftigen Angebotsplanung gewonnen werden. Im Gesundheitswesen können zum Beispiel mit Hilfe von Datamining aus verfügbaren Datensätzen zu Patienten, Behandlungspfaden und Qualitätsindikatoren ebenfalls wertvolle Erkenntnisse generiert werden. Ein weiteres Beispiel für den gezielten Einsatz intelligenter Datenanalyse ist die Konzeptionierung und Implementierung von Methoden des Delay Mining: Durch die Auswertung von verschiedenen Informationen über die Begleitumstände von Verspätungen können so Erkenntnisse für die robuste und effiziente Planung gewonnen werden.

Anwendungsbereiche

Neben grundlegenden Themenstellungen werden die Forschungsprojekte häufig mit Bezug zu speziellen Branchenherausforderungen realisiert und v.a. in den Feldern Mobilität, Gesundheitswesen, Medien sowie Bildung angewandt. Denn Unternehmen und Organisationen aus diesen Bereichen sind in besonderem Maße von Transformationsprozessen betroffen.

Educational Service Engineering

Der Begriff des Educational Service Engineering nimmt Bezug auf das im Dienstleistungsmanagement etablierte „Service Engineering“ sowie das in der (Wirtschafts-)Informatik verwendete „Software Engineering“. Es beschreibt die interdisziplinäre Bereitstellung und systematische Verwendung von Prinzipien, Methoden und Werkzeugen für die zielorientierte Entwicklung von Lehr- und Lern-Services. Diese gestalten sich arbeitsteilig in der interaktiven Zusammenarbeit von Dozenten und Studierenden sowie mit externen Institutionen - auch im Lehrangebot des Departments Wirtschaftsinformatik. Insbesondere handlungsorientierte und technikgestützte Lehr- und Lernformen (Blended und E-Learning) werden hierbei entwickelt und eingesetzt.

Entrepreneurship

Technologien ermöglichen neue Wege unternehmerischen Handelns. Gleichzeitig werden existierende Praktiken verändert. Digitale Fähigkeiten, Kompetenzen und Ressourcen erlauben es bestimmten Personen, neue Möglichkeiten im Alltag zu erkennen und sie in Start-ups umzusetzen. Diese Personen werden als Digitale Entrepreneure bezeichnet. In Zusammenarbeit mit dem Digital Entrepreneurship Hub erforschen Mitglieder des Departments die befähigende Rolle von Technologien für unternehmerisches Handeln.

Im Rahmen von verhaltens- und gestaltungsorientierten Forschungsprojekten fokussiert sich das Department zudem auf Methoden und Technologien zur Unterstützung der Gründungslehre. Diese setzt sich zum Ziel, Studierende sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für unternehmerisches Denken und Handeln zu sensibilisieren und zu qualifizieren. Dabei geht sie über die reine Unterstützung der Unternehmensgründung hinaus. An ihrer statt tritt die Steigerung der Beschäftigungsfähigkeit durch die Aneignung „unternehmerischer Kompetenzen“ (nach Definition der Europäischen Kommission).

Airline Revenue Management

Im Revenue Management oder Ertragsmanagement werden Methoden des Operations Research so zur Nachfragesteuerung eingesetzt, dass der maximale mögliche Erlös realisiert werden kann. Hierzu wird in der unternehmerischen Praxis die Nachfrage mit der höchsten erwarteten Zahlungsbereitschaft bevorzugt behandelt. Diese Form des Managements wird vor allem bei Service Unternehmen wie zum Beispiel Fluggesellschaften, in der Hotellerie und bei Autovermietern mit Erfolg eingesetzt.

Beispiele für neue Konzepte im Revenue Management, deren Weiterentwicklung ein Fokus des Department Wirtschaftsinformatik ist, sind die Integration von Konzepten des Customer Relationship Management im langfristigen Ertragsmanagement und die Nutzung von Wettbewerbsinformationen. Ebenso zentral sind die Steuerung des gemeinsamen Angebots in Allianzen und der Umgang mit komplexen Modellen und kleinen Zahlen im praktischen Einsatz des Revenue Managements.

Public / Urban Transportation

Public Transportation: Forschungsvorhaben zur Robust Efficiency beschäftigen sich beispielsweise mit der Planung von Bus-Umläufen und der zeitlichen Einsetzung von Fahrern im öffentlichen Personenverkehr (ÖPV). Die Effekte robuster Planung werden unter Einbeziehung verschiedener Planungsebenen und -stufen, bspw. der Umlauf- und Dienstplanung, untersucht. Die Wissenschaftler am Department analysieren historische Verspätungsdaten und entwickeln mathematische Optimierungsmodelle und -verfahren. Sie validieren Ergebnisse mittels Simulation und entwickeln Planungssysteme und -algorithmen. So kann erreicht werden, dass Umlauf- und Dienstpläne bei kurzfristigen Änderungen und Unfällen störungsfreier ablaufen. Ingesamt wird eine kosteneffiziente und damit robuste Planerstellung anvisiert.

Intelligent Urban Transportation: Die zunehmende Bevölkerungsdichte in Ballungsgebieten erfordert eine intelligente Planung und Steuerung der Mobilität von Personen und Gütern. Forschungsvorhaben zur City-Logistik beschäftigen sich mit dem Trade-Off von Effizienz und Verlässlichkeit in der städtischen Auslieferung von Gütern. Im Fokus steht die Aufbereitung von umfangreichen Datenmengen für dynamisch-stochastische Kürzeste-Wege- und Tourenplanungsverfahren. Dabei wird ein ganzheitlicher Ansatz von der Datenerhebung über Datenaggregation mittels Data Mining hin zu angepassten Verfahren des Operations Research verfolgt. Der Forschungsschwerpunkt wird ergänzt mit Untersuchungen zur Planung und Steuerung von innovativen, automatisierten Shared-Mobility-Dienstleistungen wie z.B. Car- und Bike-Sharing-Systemen.

Healthcare Management

Das Gesundheitssystem steht in Deutschland durch Sparzwänge, Privatisierungen und eine sich verschiebende Altersstruktur vor enormen Herausforderungen, die gleichzeitig auch als große Chancen gesehen werden können. Am Department Wirtschaftsinformatik wird daran geforscht, Veränderungstreiber und -mechanismen zu analysieren und zu identifizieren. So werden etwa aktuelle Themen in einem Experten-Panel aufgegriffen. Dabei geht es sowohl um die Reflexion neuer Geschäftsmodelle und ihren Einfluss auf die Entwicklung der Branche, als auch um spezifische Bereiche wie integrierte, intersektorale Versorgungskonzepte oder neue Formen der Medikamentenversorgung. Im Healthcare Management werden außerdem innovative Geschäftsmodelle am „Gesundheitsstandort Zuhause“ reflektiert, die durch neue Technologien ermöglicht werden. Neben unternehmerischen Chancen und Implikationen für Veränderungsprozesse werden auch so genannte Innovationshürden und Diffusionshemmnisse analysiert, die der Verbreitung und Nutzung neuer Lösungen entgegenstehen.